Cookie-Einstellungen

Zur fortlaufenden Verbesserung unserer Angebote nutzen wir den Webanalysedienst matomo.

Dazu werden Cookies auf Ihrem Endgerät gespeichert, was uns eine Analyse der Benutzung unserer Webseite durch Sie ermöglicht. Die so erhobenen Informationen werden pseudonymisiert, ausschließlich auf unserem Server gespeichert und nicht mit anderen von uns erhobenen Daten zusammengeführt - so kann eine direkte Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über einen Klick auf "Cookies" im Seitenfuß widerrufen.

Weitere Informationen dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 - Sepsis Sepsis Stiftung fordert dringend Maßnahmen durch den Gesetzgeber

ArtikelBerlin, 23.01.2024

Nach aktuellen Schätzungen gibt es in Deutschland jährlich über eine halbe Million Sepsis-Betroffene mit mehr als 140.000 Todesfällen allein im Krankenhaus. Über 270.000 der Überlebenden leiden an Langzeitfolgen. Die Weltgesundheitsorganisation hält die meisten dieser Todesfälle für vermeidbar, was sich anhand von Überlebendenzahlen in anderen Ländern wie Schweden und Australien gezeigt hat. Das bedeutet, dass etwa 190 Menschen in Deutschland täglich unnötig versterben und 370 Betroffene schwerwiegende Langzeitfolgen erleiden.

Gesetzgebung und Regierung müssen die richtigen Lehren aus der Pandemie, den aktuellen Zahlen zur Sepsis-Häufigkeit sowie der im Vergleich zu anderen Ländern deutlich höheren Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland ziehen – dies ist eine Forderung der Sepsis-Stiftung und auch Gegenstand eines aktuellen EditorialsExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.. in „Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin“. Eine konsequente Umsetzung von Qualitätssicherungs- und Aufklärungsmaßnahmen, die in anderen Ländern zu einer deutlichen Reduzierung der Sepsis-Sterblichkeit geführt haben, ist bisher trotz entsprechender Forderungen nicht erfolgt. Kollektive, freiwillige Qualitätssicherungsmaßen auf Krankenhausebene haben sich in Deutschland als ineffektiv erwiesen.

Mangelnde Kommunikation über den Zusammenhang zwischen COVID-19 und Sepsis / Sepsis-Folgen

Bereits in der WHO Sepsis Resolution von 2017 erfolgte der Hinweis, dass nicht nur Bakterien, sondern auch Viren, wie zum Beispiel das SARS-CoV-2 – und das Influenza-/Grippe-Virus sowie weitere Infektionserreger, eine Sepsis auslösen können. Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass auch die Langzeitfolgen von viralen Infektionen wie COVID-19 und Influenza sich nur graduell von den Folgen von Sepsis und Infektionen infolge anderer Erreger unterscheiden.Die Gemeinsamkeiten von pandemiebedingter und „alltäglicher“ endemischer Sepsis hinsichtlich Vermeidbarkeit, Warnsymptome, Notfall und Folgen wurden von den Akteuren im Gesundheitswesen und der Politik nicht kommuniziert und die Synergien bleiben ungenutzt. Beispielhaft hierfür ist, dass bei den gesundheits- und forschungspolitischen Entscheidungen zur Erforschung der Ursachen von Long-COVID und der Verbesserung der Versorgung der davon Betroffenen die jährlich mindestens 270.000 Sepsis-Überlebenden nicht berücksichtigt wurden. Auch sie leiden unter schweren medizinischen, kognitiven und psychischen Folgen, sind zu einem Drittel neu pflegebedürftig und stoßen auf mangelndes Verständnis.

Bisherige Maßnahmen sind unzureichend

Dass mit dem Abschluss des seit fünf Jahren unter der Führung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) laufenden Qualitätssicherungsverfahrens zur Sepsis frühestens in weiteren drei Jahren zu rechnen ist, wirft angesichts der enormen medizinischen und materiellen Folgen für die Betroffenen, Angehörigen, und die gesamte Gesellschaft, erneut erhebliche Fragen zur Funktionsfähigkeit der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens auf. Im Rahmen dieses Paradigmas hat der Gesetzgeber, auch die Qualitätssicherung für die stationäre Krankenversorgung in die Hände des G-BA gelegt. Forderungen für einen nationalen SepsisplanExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. gibt es in Deutschland seit 2013 und wurde 2017 erneuert. Die fehlende Umsetzung kontrastiert zu Ländern mit einer deutlich niedrigeren Sepsis-Sterblichkeit, wie Australien, England, Irland, Schweden und den USA, die nach der Verabschiedung der WHO Sepsis Resolution das Thema Sepsis zu einer Priorität gemacht haben. Ganz aktuell setzt sich auch der belgische GesundheitsministerExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. für einen solchen Schritt ein. Die Annahme, dass das vom BMG seit 2021 geförderte Aktionsbündnis „Deutschland Erkennt Sepsis“, wesentlich zur Lösung dieser immensen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung beitragen kann, ist, trotz des erheblichen Engagements der Bündnispartner, zu denen auch die Sepsis Stiftung gehört, unrealistisch.

Notwendige Maßnahmen

Um weiteren Schaden von den Bürgerinnen und Bürgern abzuwenden, muss der Gesetzgeber auf der Bundes- und Landesebene endlich handeln. Erforderlich sind gesetzgeberische Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung internationaler Mindeststandards bei der Qualitätssicherung und Strukturmaßnahmen wie:

  • Verpflichtende Schulungen für medizinisches Personal in der Früherkennung von lebensbedrohlichen Erkrankungen und Vorhaltung von innerklinischen Notfallteams in den Akutkrankenhäusern
  • Verbindliche Schulungen des medizinischen Personals in Notaufnahmen, im prästationären Rettungsdienst, für das ärztliche Personal des kassenärztlichen Bereitschaftsdiensts und die Einsatzkräfte in den Notrufzentralen für die Nummern 112 und 116117.
  • Die Förderung der Gesundheitskompetenz der breiten Öffentlichkeit zur Infektionsprävention, zur Notwendigkeit der Früherkennung und Notfallbehandlung von Sepsis, der Kenntnis ihrer Langzeitfolgen
  • Eine konsequente Umsetzung der Krankenhausstrukturreform
  • Die Reform des G-BA unter den Aspekten Stärkung der Patientenorientierung und Effizienzsteigerung
  • Die Etablierung einer Nationalen Infektionsmanagementstrategie unter deren Dach bestehende Silos überwunden und Synergien gehoben werden können
  • Eine an den evidenzbasierten Fakten orientierte Forschungsförderung

Quelle: Pressemeldung der Sepsis Stiftung vom 12. Januar 2024Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

Ihr Kontakt zu uns

Service

News abonnieren

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter, E-Mail-Alerts zu unseren Themen oder Pressemeldungen.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Infektionsschutz
    Infektionsprävention vermeidet Folgekosten für das Gesundheitssystem

    In Deutschland kommt es jährlich zu rund 600.000 nosokomialen Infektionen - und davon bis zu 20.000 Todesfällen. Bis zu einem Drittel gelten als vermeidbar. Die Umsetzung von notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen kann dazu beitragen, zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft durch vermeidbare Infektionen zu reduzieren.

    Artikel10.03.2025

    Mehr lesen
  • Nosokomiale Infektionen
    BVMed unterstützt Stellungnahme der Fachgesellschaften zu Infektionsprävention: „Hygienemaßnahmen müssen intensiviert werden“

    In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die DGKH, DGHM, GHUP und PEG eine „Verankerung der praktischen Umsetzung“ von Hygiene für eine effektive Infektionsprävention. Der BVMed unterstützt die Stellungnahme der vier Fachgesellschaften und hebt hervor, dass die Stärkung der Infektionsprävention eine wichtige Aufgabe für die kommende Bundesregierung sei. „Nur durch gemeinsame Bemühungen können die anhaltende Anzahl von rund 600.000 nosokomialen Infektionen und die jährliche Sterberate von bis zu 20.000 Patient:innen in Deutschland gesenkt werden“, erklärt BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Dafür ist aus Sicht des MedTech-Verbands ein Strategieplan für einen effektiven Infektionsschutz in medizinischen Einrichtungen sowie eine bessere Wissensvermittlung zur regelmäßigen Anwendung von Hygieneprodukten und Schutzausrüstung notwendig.

    Pressemeldung05.02.2025

    Mehr lesen
  • Hygiene
    BVMed-Hygieneforum 2024: „Hygiene bei der Krankenhausreform stärker einbeziehen“

    „Die Stärkung des Infektionsschutzes ist eine wichtige Aufgabe. Die Prävention muss dabei an erster Stelle stehen“, sagte Dr. Ute Teichert vom Bundesgesundheitsministerium auf dem Hygieneforum des BVMed. Prof. Dr. Nils-Olaf Hübner vom Uniklinikum Greifswald forderte, Hygiene und Infektionsprävention bei der Ausgestaltung der Krankenhausreform zu berücksichtigen.

    Pressemeldung16.12.2024

    Mehr lesen

Kommende Veranstaltungen

  • Onlineseminar
    Digital-Webinar | Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG)

    Ob Nutzung von Gesundheitsdaten, Umgang mit IT-Sicherheit oder Entwichkung von digitalen Medizinprodukten: In den vergangenen zwei Jahren sind sowohl auf der nationalen als auch europäischen Ebene eine Vielzahl an Gesetzen in Kraft getreten, die die Themenfelder Digitalisierung und Datennutzung maßgeblich betreffen. Die Komplexitität nimmt dabei stetig zu und greift auch in bestehende Regulatorik, wie die Medicial Device Regulation (MDR), ein.

    Seminardigital
    25.04.2025 09:00 - 10:00 Uhr
    organizer: BVMed
    Schwerpunkt: Digitalisierung

    Zur Veranstaltung: Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG)
  • Einführungsseminar
    Erfolgreiches Marketing von MedTech-Unternehmen

    Als Mitarbeiter:in im Marketing oder Produktmanagement haben Sie eine Schlüsselrolle für den Erfolg Ihres Unternehmens. Die richtige Strategie entwickeln, Produktvorteile erkennen und im Zusammenspiel mit Agenturen an Entscheidungsträger und Kundschaft kommunizieren – dies sind Fähigkeiten, die professionelle Produkt- oder Marketing-Manager:innen kontinuierlich ausbauen. Das Seminar...

    Seminaron-site
    Berlin, 05.06.2025 09:00 - 16:30 Uhr
    organizer: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: Kommunikation

    Zur Veranstaltung: Erfolgreich im Marketing von MedTech-Unternehmen

Ihre Vorteile als BVMed-Mitglied

  • Organisation

    In über 80 Gremien mit anderen BVMed-Mitgliedern und Expert:innen in Dialog treten und die Rahmenbedingungen für die Branche mitgestalten.

  • Information

    Vom breiten Serviceangebot unter anderem bestehend aus Veranstaltungen, Mustervorlagen, Newslettern und persönlichen Gesprächen profitieren.

  • Vertretung

    Eine stärkere Stimme für die Interessen der Branche gegenüber politischen Repräsentant:innen und weiteren gesundheitspolitischen Akteur:innen erhalten.

  • Netzwerk

    An Austauschformaten mit anderen an der Versorgung beteiligten Akteur:innen, darunter Krankenkassen, Ärzteschaft oder Pflege teilnehmen.

Die Akademie

Von Compliance über Nachhaltigkeit bis hin zu Kommunikation. Unsere Akademie bietet der MedTech-Community eine Vielfalt an Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an. Entdecken Sie unsere Seminare, Workshops und Kongresse.

Zu den Veranstaltungen