Medizinprodukteindustrie

MEDICA 2008 in Düsseldorf (19. bis 22. November 2008) Herbstumfrage des BVMed: „Mehr Arbeitsplätze trotz erhöhtem Kostendruck in der MedTech-Branche“

13.11.2008 - 89/08

Berlin. Die Medizintechnik-Branche bleibt in Deutschland trotz des erhöhten Preisdrucks ein Jobmotor. Nach der Herbstumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, haben 55 Prozent der MedTech-Unternehmen gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei knapp 30 Prozent der Unternehmen blieb die Mitarbeiterzahl stabil. Hochgerechnet auf die Mitgliedsunternehmen des Verbandes sind das 4.200 neue Arbeitsplätze, teilten BVMed-Vorstandsvorsitzender Dr. Meinrad Lugan und BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA mit, die vom 19. bis 22. November 2008 in Düsseldorf stattfindet. Insgesamt beschäftigt die Branche über 170.000 Menschen in Deutschland. An der Umfrage beteiligten sich 72 MedTech-Unternehmen, darunter die 20 weltweit größten Hersteller aus dem Verbrauchsgüterbereich.

Die Stimmung in der MedTech Branche hat sich gegenüber dem Vorjahr dagegen deutlich verschlechtert. Das Umsatzwachstum ist aufgrund der anhaltenden Mengensteigerungen mit rund 5,4 Prozent noch recht gut (2007 lag es bei 7 Prozent). Es wird aber durch den anhaltenden Preisdruck und die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise kompensiert. Für das laufende Jahr 2008 erwarten rund 37 Prozent der Unternehmen ein besseres Ergebnis gegenüber dem Vorjahr. Dagegen erwarten 28 Prozent der Unternehmen ein schlechteres Gewinnergebnis als im Vorjahr. Die Gewinnsituation der MedTech-Branche ist damit deutlich angespannt, so der BVMed. Bei den gesundheitspolitischen Forderungen der Unternehmen steht der Wunsch nach einer Flexibilisierung der Erstattungssysteme im Vordergrund. Die Branche spricht sich vor allem für mehr Eigenverantwortung der Patienten durch Aufzahlungsmodelle und für mehr Wahlfreiheiten für die Versicherten aus. An der Herbstumfrage des BVMed hatten sich insgesamt 72 Unternehmen der Medizintechnologie beteiligt und 14 ausführliche Fragen beantwortet.


Die Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, investieren im Durchschnitt rund 7,2 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Wert liegt bei sehr guten 9 Prozent, wenn man die reinen Vertriebsgesellschaften herausrechnet und sich damit die forschenden MedTech-Unternehmen isoliert betrachtet. Die Innovationskraft der Branche spiegelt wider, dass rund 84 Prozent der Unternehmen für das kommende Jahr planen, neue Produkte und Verfahren auf den Markt zu bringen. Der Innovationsschwerpunkt liegt dabei erwartungsgemäß im stationären Bereich, so der BVMed.

Bei der Frage nach den Stärken des Standorts Deutschland für die Medizintechnologie gibt es von den BVMed-Unternehmen viel Anerkennung und hohe Wertschätzung. Zu den genannten Stärken gehören vor allem das hohe Versorgungsniveau der Patienten (67 Prozent), die große Anzahl gut ausgebildeter Ärzte (56 Prozent) sowie der hohe Standard der klinischen Forschung (50 Prozent). Bemängelt wird vor allem das niedrige Erstattungsniveau in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten.

Als stärkstes Hemmnis für die Branchenentwicklung wird wie im Vorjahr der gestiegene Preisdruck durch die Einkaufsgemeinschaften angesehen. 70 Prozent geben diesen Faktor an. Auf Platz zwei der Hemmnisliste sind in diesem Jahr die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten vorgerückt. Sie werden von 49 Prozent der Unternehmen genannt.

Die BVMed-Unternehmen wünschen sich von der Gesundheitspolitik vor allem mehr Flexibilität in den Erstattungssystemen. 57 Prozent plädieren für mehr Eigenverantwortung der Patienten durch Zuzahlungsmodelle. 43 Prozent wollen mehr Wahlfreiheiten für die Versicherten. Es folgen der Vorschlag nach einer Aufhebung der Budgetierung im Krankenhaussektor (44 Prozent) und einer ergebnisorientierten Vergütung von Gesundheitsleistungen (40 Prozent). 33 Prozent sprechen sich für das Modell „Grundversorgung plus Zusatzversicherungen“ aus.

BVMed-Vorstandsvorsitzender Dr. Meinrad Lugan: „Wenn wir die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung langfristig sichern wollen, müssen wir neue Wege diskutieren. Dazu gehört für uns das Nachdenken über eine steuerbegünstigte ‚Riester-GKV’.“ Sein Fazit lautete: „Wenn wir den medizinischen Fortschritt fördern, dabei noch koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, dann werden die MedTech-Unternehmen auch in Zukunft zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.“


Hinweis an die Medien:
Ausführliche Informationen zur MedTech-Branche bietet der aktuelle „Branchenbericht Medizintechnologie“ des BVMed. Er ist im Internet abrufbar unter:
http://www.bvmed.de/stepone/data/downloads/25/c2/00/branchenbericht08_10.pdf  


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