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Medizinprodukteindustrie
2011-12: 2012: MedTech-Fortschritt gemeinsam koordinieren statt blockieren
2011 war ein gutes und ein schlechtes Jahr für Medizintechnologien in Deutschland.
Ein gutes Jahr, weil die Medizintechnik-Branche mehr und mehr im Fokus von Politik und Öffentlichkeit steht. Das bietet Chancen, um Wissensdefizite abzubauen und die Besonderheiten dieser sehr heterogenen Branche besser zu vermitteln.
Medizintechnologien sind eine Wachstumsbranche, die über 170.000 Menschen in Deutschland beschäftigen und eine Exportquote von über 65 Prozent aufweisen. Und die Branche ist sehr innovativ: Im Durchschnitt investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Für die Wirtschafts- und Forschungspolitiker gilt MedTech daher als Zukunftsbranche, auf der viele Hoffnungen ruhen. Die Unterstützung aus diesem Bereich war 2011 entsprechend groß: vom Innovationswettbewerb Medizintechnik über den Aktionsplan Medizintechnik bis hin zur Exportinitiative Gesundheitswirtschaft.
2011 war aber auch ein schlechtes Jahr für die MedTech-Branche. Denn die steigenden Fallzahlen und das Potenzial des medizintechnischen Fortschritts führen bei den Gesundheitspolitikern und Krankenkassen reflexartig zu Ängsten vor weiteren Ausgabensteigerungen. Daraus ist mittlerweile eine regelrechte Kampagne gegen die CE-Kennzeichnung auf Medizinprodukten entstanden, die vom Spitzenverband der Krankenkassen sogar mit Hochglanzbroschüren unterfüttert wird.
Medizinprodukte werden im Unterschied zu Arzneimitteln im Zusammenspiel mit den ärztlichen Anwendern entwickelt. Diese enge Zusammenarbeit war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Garant für einen enormen medizintechnischen Fortschritt, der Leben rettet und die Lebensqualität der Menschen verbessert. Angesichts der von den Ärzten verantwortungsbewusst eingeführten Medizintechnologien stellt sich die Frage, ob hinter der Forderung einer langwierigen Nutzenbewertung nicht eher finanzielle Interessen stehen.
Natürlich gibt es gerade bei komplexen Verfahren auch Risiken. Eine hundertprozentige Sicherheit wird niemand garantieren können. Der richtige Weg ist es dann aber, gemeinsam mit den Ärzten und den Krankenkassen an einer weiteren Optimierung der Versorgungsqualität zu arbeiten, so wie wir es mit dem Endoprothesenregister tun. Eine pauschale Verunglimpfung der Qualität und Sicherheit von Medizinprodukten ist dagegen der falsche Weg und verunsichert Patienten unangemessen.
Die Bundesregierung hat bei der Innovationseinführung von neuen Medizintechnologien die einengenden Forderungen der Krankenkassenseite abgelehnt. Es bleibt bei dem bewährten innovationsfreundlichen Weg der Einführung von Medizintechnologien im Krankenhausbereich. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz erhält der Gemeinsame Bundesausschuss nun aber das Instrument einer "Erprobungsregelung". Wir sehen die Gefahr, dass dadurch die Einführung von medizintechnischen Innovationen verlangsamt und verringert wird. Der BVMed setzt sich daher weiterhin für eine sachgerechte Nutzenbewertung ein, die nach Risikoklasse und Modifikationsgrad differenziert.
2012 wird ein gutes Jahr für Medizintechnologien, wenn wir den medizintechnischen Fortschritt gemeinsam koordinieren und fördern. Wir setzen daher große Hoffnungen in den nun gestarteten ressortübergreifenden "Strategieprozess Medizintechnik". Die übergreifende und koordinierte Zusammenarbeit der Ministerien muss weiter vorangetrieben werden. In enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Ärzten haben wir dann die Chance, Hemmnisse zu identifizieren und zum Wohl der Patienten zu beseitigen.
Unser Ziel bleibt, dass der Zugang der Patienten zu medizintechnischen Innovationen weiter schnell und flexibel ermöglicht wird.
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