Medizinprodukteindustrie

2011-03: Exportschlager deutsche Medizintechnik – eine Branche mit Zukunft

Gastbeitrag für FAZ Sonderveröffentlichung zum Hauptstadtkongress, März 2011; Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, Berlin


Die Medizintechnikbranche ist dynamisch und innovativ. Sie hat weltweit Zuwachsraten von rund fünf Prozent jährlich, verkündete im März 2011 die Studie „Innovationsimpulse in der Gesundheitswirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Deutsche MedTech-Unternehmen wie B. Braun, Fresenius, Biotronik, Paul Hartmann, Otto Bock, Medi, Siemens oder Draeger sind in ihren Produktbereichen Vorreiter. Sie sind auf dem Weltmarkt etabliert und erfolgreich.

Die MedTech-Branche wird nach Meinung der Experten ein weltweiter Wachstumsmarkt bleiben – und das weitestgehend unabhängig von Konjunkturzyklen. Dazu tragen unter anderem der medizinisch-technische Fortschritt, die demographische Entwicklung und der erweiterte Gesundheitsbegriff in Richtung mehr Wohlbefinden bei. Patienten fragen Leistungen rund um ihre Gesundheit immer stärker selbst nach und sind bereit, für bessere Qualität und zusätzliche Dienstleistungen mehr zu bezahlen. Die Folge all dieser Faktoren: Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird weiter steigen.

Wirtschafts- und Forschungspolitiker schmücken sich gerne mit der Dynamik, der Innovationskraft und den Erfolgen der MedTech-Branche. Die Zahlen sprechen für sich: Die Branche beschäftigt über 170.000 Menschen in Deutschland und bleibt ein kontinuierlicher Jobmotor. Jeder Arbeitsplatz sichert 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen liegt in Deutschland bei rund 19 Milliarden Euro. Im Durchschnitt investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind. Damit leistet die MedTech-Branche nicht nur einen hervorragenden Beitrag zur Gesundheitswirtschaft sondern ist auch ein Hoffnungsträger für den deutschen Arbeitsmarkt.

Exportschlager Medizintechnik

Die deutsche Medizintechnikindustrie ist sehr exportintensiv - mit Exportquoten zwischen 60 und 65 Prozent. Mitte der 90er Jahre waren es lediglich rund 40 Prozent. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland mit einem Welthandelsanteil bei medizintechnischen Produkten von 14,6 Prozent nach den USA (30,9 Prozent) aber deutlich vor Japan (5,5 Prozent) weltweit an der zweiten Stelle rangiert.

Wichtigste Zielregion der deutschen Medizintechnikexporte 2009 war die Europäische Union, auf die knapp 43 Prozent der branchenrelevanten Ausfuhren entfielen. Zusammen mit den Exporten in das restliche Europa (11,3 Prozent) wurde damit mehr als die Hälfte aller Ausfuhren medizintechnischer Güter ins europäische Ausland ausgeführt. Auf die Region Nordamerika entfielen 20 Prozent der Exporte. Der Ausfuhranteil Asiens lag bei 15,4 Prozent.

Perspektiven für Innovationen geben

Für die Exportstärke ist ein starker Heimatmarkt überaus wichtig. Deutschland hat in den zukunftsträchtigen Innovationsfeldern der Medizintechnologie durch die große Zahl gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der klinischen Forschung beste Voraussetzungen, neue Produkte und Verfahren zur Marktreife zu führen. Wir haben durch die Universitätskliniken und die zahlreichen Kompetenzzentren in der Medizintechnik ein großes Wissen. Die Vorteile Deutschlands liegen auch in den kürzeren Zulassungszeiten und in der sehr guten klinischen Forschung.

Defizite bestehen in Deutschland allerdings bei der Einführung von Innovationen in die Vergütungssysteme, sodass sie auch zeitnah beim Patienten ankommen. Die Gesundheitswirtschaft wird von der Bundeskanzlerin als „Leuchtturm“ bezeichnet. Die Unternehmen der Medizintechnologie erwarten, dass den Worten der Politik auch Taten folgen.

Für 2011 erwarten wir klare Perspektiven für medizintechnische Innovationen. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) schlägt unter anderem die Einrichtung eines Innovationspools vor, um die Aufnahme medizintechnischer Innovationen in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu beschleunigen. Denkbar wären beispielsweise drei Prozent der GKV-Ausgaben. Dies ließe sich mit den angestrebten Forschungsausgaben Deutschlands von drei Prozent begründen. Die Einbeziehung weiterer Mittel, beispielsweise der Forschungsförderung, ist ebenfalls in Erwägung zu ziehen. Durch Mittel des Innovationspools ließe sich auch eine unabhängige Nutzenbewertung von MedTech-Innovationen finanzieren.

Weitere Punkte sind die stärkere Einbeziehung der Industrieexpertise beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), die Ausdehnung des innovationsfreundlichen Erlaubnisprinzips bei gleichen strukturellen Voraussetzungen auf den ambulanten Bereich, eine Vereinfachung und Entbürokratisierung der Innovationsklausel im Krankenhausbereich (NUB-Regelung) sowie eine Stärkung von Homecare-Versorgungsleistungen.

Mit diesen Punkten geben wir klare Perspektiven: für Ideen für Innovationen, für medizintechnischen und ökonomischen Fortschritt und für die Einführung von neuen Produkten und Verfahren, damit Deutschland seine Exportstärke auch weiterhin ausspielen kann.

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