- Branche BVMed-Jahrespressekonferenz: 10-Punkte-Plan, um den MedTech-Standort Deutschland zu stärken
Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat auf seiner Jahrespressekonferenz in Berlin einen 10-Punkte-Forderungskatalog an die Bundesregierung vorgestellt. Ziel ist es, den MedTech-Standort Deutschland zu stärken und eine smarte Gesundheitsversorgung durch technologische Innovationen zu ermöglichen. „Der Herbst der Reformen muss jetzt kommen. Wir brauchen ein einheitliches und strategisches Handeln der Bundesregierung. Ein Schlüssel für den Weg aus der Krise ist die Innovationskraft der industriellen Gesundheitswirtschaft, insbesondere der MedTech-Branche. Wichtig ist jetzt eine abgestimmte und ressortübergreifende Gesamtstrategie, die den Unternehmen Verlässlichkeit und Planungssicherheit für Investitionen gibt“, so der BVMed-Vorstandsvorsitzende Mark Jalaß.
PressemeldungBerlin, 06.10.2026, 69/26
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Die deutsche MedTech-Branche ist eine Schlüsselindustrie mit über 210.000 Beschäftigten, 55 Milliarden Euro Umsatz und einem KMU-Anteil von 93 Prozent. Sie gehört weltweit zur Spitze in Forschung, Qualität und Export. Und sie ist Innovationstreiberin und mit ihren „Hidden Champions“ ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. „Die Leitwirtschaft Medizintechnik muss durch die anstehende MedTech-Strategie gestärkt und der begonnene MedTech-Dialog verstetigt werden“, fordert der BVMed-Vorsitzende.
Die Bedeutung der Branche geht aber weit über diese wirtschaftlichen Aspekte hinaus: Medizinprodukte sind unentbehrlich für die Gesundheitsversorgung der Menschen: von der Vorsorge über Früherkennung und Diagnostik bis hin zu Therapie und Nachsorge. Sie helfen, das Gesundheitssystem insgesamt effizienter zu gestalten und medizinisches Personal zu unterstützen und zu entlasten: durch innovative Technologien, durch datengetriebene und KI-unterstützte Lösungen. Mark Jalaß: „Medizintechnologien ermöglichen ein längeres und gesünderes Leben. Dafür brauchen wir gezielte Investitionen in moderne medizintechnische und digitale Lösungen.“
10 MedTech-Punkte an die Bundesregierung
Der 10-Punkte-Plan des BVMed zur Stärkung des MedTech-Standorts Deutschland enthält insgesamt 50 Einzelforderungen zu den folgenden Bereichen:
- Kabinettsbeschluss zur MedTech-Strategie mit einem klaren Umsetzungszeitplan und einer Verstetigung des MedTech-Dialogs.
- Wettbewerbsfähigkeit des MedTech-Standorts durch einen konsequenten Bürokratieabbau stärken, insbesondere durch eine zügige MDR-Revision.
- Planungssicherheit für Standortinvestitionen der Unternehmen erhöhen.
- Handelshemmnisse abbauen und Exporte stärken.
- Innovationszugang beschleunigen und Bewertungsverfahren transparenter gestalten.
- Smarte Gesundheitsversorgung durch eine bessere KI- und Datennutzung sowie die digitale Versorgung mit Telemonitoring in die Fläche bringen.
- Nachhaltige Krankenhausfinanzierung sicherstellen, Medizinprodukte adäquat vergüten und Investitionen im Krankenhausbereich erhöhen.
- Ambulante Versorgung – insbesondere die Hilfsmittel- und Homecare-Versorgung – stärken.
- Volkskrankheiten strategischer angehen sowie Prävention und Früherkennung stärken.
- Langfristig angelegte Krisenvorsorge-Strategie, bei der die MedTech-Branche frühzeitig eingebunden werden muss.
Innovationszugang beschleunigen
Auf dem Weg zu einer „smarten Gesundheitsversorgung der Menschen mit modernen Medizintechnologien“ ist es dem BVMed ein besonderes Anliegen, den Innovationszugang zu beschleunigen und Bewertungsverfahren transparenter zu gestalten. Das NUB-Verfahren – also die Bewertung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden – müsse nachvollziehbarer, berechenbarer und verlässlicher werden. „Wir brauchen definierte Fristen, Begründungen des InEK-Prüfergebnisses und eine klare Regelung für den Übergang in die regionalen Verhandlungen“, so der BVMed. Zudem müssten die Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses beschleunigt und eine angemessene Mitwirkung der MedTech-Branche sichergestellt werden.
Der BVMed spricht sich ebenfalls dafür aus, das innovationsfreundliche Prinzip der „Erlaubnis mit Verbotsvorbehalt“ auch im ambulanten Sektor zu etablieren, flankiert von aufwandsgerechter Sachkostenfinanzierung. Zudem müssten „Real-World-Evidenz“ und Registerdaten in der Nutzenbewertung anerkannt und einbezogen werden. Mark Jalaß: „Auch müssen wir die Translation von Forschungsergebnissen in die Versorgung verbessern und Innovationen mehr fördern. Beispielsweise durch Modellregionen und Modellvorhaben in der GKV. Wir brauchen einen praktikablen Rahmen für Modellregionen mit befristeter Erstattung gegen Evidenzgenerierung und mit vorab definiertem Übergang in die Regelversorgung. Und müssen wir ergebnis- und qualitätsorientierte Vergütungsmodelle erproben, statt allein über Preisabschläge zu steuern.“
Der BVMed-Vorsitzende mahnte einen Paradigmenwechsel an: „Wir müssen Innovationen als Effizienzhebel begreifen, nicht nur als Ausgabenposition. Dafür müssen wir Folgekosten und Versorgungsnutzen sektorenübergreifend bewerten. Das wäre ein überfälliger Schritt nach vorne.“
Bessere KI- und Daten-Nutzung
Zu einer smarten Gesundheitsversorgung gehöre zudem eine bessere KI- und Daten-Nutzung. Digitale Lösungen müssten als ein eigener Versorgungsstrang etabliert werden, um Zugang und Erstattung sicherzustellen. Der BVMed fordert zudem, Telemonitoring-Lösungen indikationsunabhängig zu verankern und einen eigenständigen Marktzugangspfad zu erhalten. Zudem müsse der DiGA-Prozess entbürokratisiert und die Erprobungsregelung auf die Klasse IIb ausgeweitet werden.
Für einen besseren Datenzugang sollten forschende Medizintechnik-Unternehmen als nutzungsberechtigte Institutionen beim Forschungsdatenzentrum etabliert und diskriminierungsfrei berücksichtigt werden. Der BVMed setzt sich zudem für verbindliche Interoperabilitätsstandards, maschinenlesbare ePA-Daten und eine Beteiligung der Industrie an der Standardsetzung ein. Darüber hinaus müssten auch Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Unternehmen zügig an die Telematik-Infrastruktur angebunden und die Einführung der elektronische Hilfsmittelverordnung vorgezogen werden. Dies sei ein Baustein, um die ambulante Versorgung – und hier insbesondere die Hilfsmittel- und Homecare-Versorgung – weiter zu stärken.
Auf entschiedene Ablehnung des BVMed trifft der Plan des Gesundheitsministeriums, Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich wieder einzuführen. „Ausschreibungen im sensiblen Bereich der Hilfsmittelversorgungen sind bereits in der Vergangenheit krachend gescheitert. Sie sind keine Option für die Zukunft“, so Jalaß. Sie führten nachweislich zu einer Verschlechterung der Versorgung mit Hilfsmitteln, ohne Ausgaben zu reduzieren. Zudem sei die mittelständisch geprägte Hilfsmittel-Branche bereits mit dem pauschalen Preisabschlag von drei Prozent auf bestehende Vergütungsvereinbarungen für Hilfsmittel in den Jahren 2027 und 2028 extrem belastet.
Das Fazit von Mark Jalaß auf der BVMed-Jahrespressekonferenz: „Wenn Deutschland die Medizintechnik als strategische Schlüsselindustrie stärken will, muss sich dieser Anspruch in konkreten politischen Entscheidungen wiederfinden. Die Politik und auch die Kostenträger sollten den positiv gestarteten, lösungsorientierten Dialog mit unserer Branche weiter ausbauen. Denn auch die Umsetzung in konkrete Maßnahmen gelingt nur gemeinsam mit der MedTech-Branche.“
Die 50 Einzelforderungen des 10-Punkte-Plans sowie alle Dokumente zur BVMed-Jahrespressekonferenz gibt es in einer eMappe unter www.bvmed.de/medienseminar.

